Kuba 2016

Nach meiner Reise durch Asien vor ziemlich genau zwei Jahren, war es diese Semesterferien wieder an der Zeit, es Großbritannien gleich zu tun, und Europa zu verlassen. Mein ursprüngliche Plan war es, nach Kuba zu fliegen, um den Sozialismus und die Folgen des jahrzehntelangen Handelsembargos noch einmal selber zu spüren. Alte Autos, rum-lastige Cocktails und Salsamusik auf den Straßen. Kuba, wie man es sich vorstellt. Nächstes Jahr könnte es dafür schon zu spät sein.

Anscheinend war ich aber nicht der Einzige mit diesem Gedanken, weshalb mir im Reisebüro strikt von einer Kubareise abgeraten wurde. Alle Hotels über Monate ausgebucht, Autos sowieso Mangelware, keine Möglicheit von Havanna aus in andere Städte zu kommen. Gegebenenfalls hätte man noch an einer Pauschalreise teilnehmen können, was aber nicht meiner Vorstellung von Urlaub entspricht.

Enttäuscht machte ich mich auf den Weg nach Hause und fing an, mich über alternative Reiseziele zu informieren. Bis mich die Nachricht einer Kubanerin erreichte, die ich im Vorfeld über Airbnb kontaktiert hatte. Leider musste ich dieser mitteilen, dass es wahrscheinlich doch nicht gehen wird, da mir von der Frau im Reisebüro von der Reise abgeraten wurde.

Wird schon stimmen. Also am nächsten Tag zurück zum Reisebüro und die Flüge nach Havanna gebucht. Die Reise konnte beginnen.

 

Havanna

Angekommen in Havanna wurden wir schon von einem Taxifahrer erwartet, der uns in die erste Unterkunft, welche wir im Vorfeld über Airbnb gebucht hatten, brachte. Aufgrund eines Missverständnisses war für uns nur ein kleines Drei-Personen-Zimmer reserviert worden. Ein Schlafplatz zu wenig. An sich kein Problem, wenn man es mag, sich bei Schwulen schwülen 30 Grad im Schatten zu dritt in einen kleines Bett zu kuscheln. 

Glücklicherweise gab es noch ein freies Bett, das wir zusätlich in unser Zimmer stellen konnten, wodurch nun auch der letzte Quadratmeter Boden von einer Schlafgelegenheit bedeckt war.

Überraschenderweise erinnerte mich Havanna stark an Bankok. Nicht von den Gebäuden her, aber von dem schwülen Wetter und den Essensständen auf den Straßen. Und davon, dass man von jedem freien Taxi angehupt wurde, um darauf hingewiesen zu werden, dass man ja auch dieses nutzen könnte und wir unzählige Male angesprochen wurden, ob wir nicht irgendwelche Zigarren oder Holzspielzeuge kaufen wollen würden.

Höchstwahrscheinlich lag das aber auch daran, dass unsere erste Unterkunft ziemlich zentral im touristischen Teil Havannas lag.

 

Viñales

Nach vier Tagen Havanna ging es dann mit dem Taxi Richtung Westen nach Viñales. Viñales ist vorallem bekannt für seinen großen Nationalpark, in dem man neben der größten Höhle Mittelamerikas auch Tabak- und Kaffeeplantagen besichtigen konnte.

Da September noch Regenzeit auf Kuba ist, war der Boden entsprechen matschig. Deshalb entschieden wir uns, dass wir vielleicht nicht zu Fuß durch den Park watscheln sollten. Sondern reitend.

Also haben wir kurzerhand eine vier-stündige Reittour gebucht (wie wahrscheinlich unzählige Touristen vor uns) und uns durch den Nationalpark tragen lassen. Stopps wurden an den oben erwähnten Sehenswürdigkeiten gemacht. Wobei die Höhle nicht so "sehenswürdig" war.

Auch die Unterkunft in Viñales hatten wir schon im Vorfeld via Airbnb gebucht. Dieses mal aber mit zwei Zimmern. Und einer Dachterasse. Und eigentlich auch einem Pool, der aber leider nicht in Betrieb genommen werden durfte, da gerade Wassermangel herrschte. Ersatzweise besichtigten wir den Pool eines nicht allzu weit entfernten, größeren Hotels. Und hatten von da aus den besten wahrscheinlich besten Blick auf das große Grün das uns umgab.

 

Varadero

Nach drei Tagen Urwald war es dann Zeit für Sommer, Sand und Sonnenschein in Varadero, an einem der schönsten Strände Kubas und die letzte im Vorfeld gebuchte Unterkunft.

Nach dem wir es in Havanna nicht geschafft hatten, zumindest einen "guten" Club zu finden, wurde uns hier von unserer Vermieterin relativ schnell ihre Lieblingsclubs nahe gelegt, nach denen wir uns dann - nach einer angemessenen Anzahl an Mojitos und Cuba Libres - auf die Suche machten. Angekommen im ersten Club machten wir zu viert ungefähr die Hälfte der Gäste aus. Was sich dann auch erstmal nicht zu ändern schien. Aber zumindest Cocktails waren günstig - was dazu führte, dass ich auf dem Rückweg Haus- und Zimmerschlüssel verlor und dann auch erstmal nachts nicht wiederfinden konnte.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann nochmal auf die Suche nach den Schlüsseln, was von Anfang an relativ hoffnungslos schien. Die Nadel im Strohhaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes, da mir die Schlüssel auf einer Wiese aus der Tasche gefallen waren. Nach einer Stunde entschieden wir uns dann langsam aufzugeben - als ich plötzlich vor mir einen Schlüssel liegen sah. Und nach wenigen Minuten dann auch den zweiten gefunden hatte, wodurch uns wahrscheinlich relativ viele Komplikationen erspart blieben. 

 

Trinidad

Dank unserer Gastgeberin in Varadero konnten wir relativ einfach eine Unterkunft in Trinidad mieten. Also ging es - mal wieder mit dem Taxi, was pro Person genauso teuer war wie Bustickets gewesen wären - zum vierten Stopp unserer Reise.

Trinidad ist UNESCO Weltkulurerbe und genauso sah es in unserer Unterkunft dann auch aus: Urlaub im Museum. Womit keiner von uns gerechnet hätte, aber was eine sehr positive Überraschung war. 

 

Cienfuegos

Cienfuegos ist etwa zwei Stunden - mit dem Taxi - von Trinidad entfernt und irgendwo zwischen den beiden Städten, aber anscheind irgendwie auch nicht ganz genau dazwischen (der Taxifahrer hat versucht mir das zu erklären, aber meine minimalen Spanischkenntnisse reichten bei Weitem nicht aus, um das genauer zu verstehen), liegt der schönste Ort Kubas: Die "El Nicho" Wasserfälle. Zumindest der Meinung des Tabakplantagenbesitzer nach, mit dem wir uns auf unserer Reittour in Viñales unterhalten hatten.

Und ja, die Stelle im Urwald ist wirklich ziemlich schön.

Aber auch Cienfuegos ist eine relativ schöne Stadt, direkt am Meer. Ohne Strand, aber mit langer Strandpromenade und großem Hafen.

Drei Tage vor unserem Abflug erreichten wir dann wieder Havanna und mussten feststellen, dass wir uns kostentechnisch gegebenenfalls etwas verkalkuliert hatten und jetzt nicht mehr wirklich viel Geld ausgeben konnte.

Das führte dazu, dass wir das beste und günstigste Restaurant der ganzen Reise entdeckten. Denn unserer neue Unterkunft in Havanna war nicht mehr ganz so direkt in der Touristengegend, weshalb man hier leicht auf Pesosrestaurants stoßen konnte, in denen man für Reis mit Bohnen und Fleisch (so ziemlich das einzige Gericht, dass man auf Kuba bekommen kann) statt wie am Anfang unserer Reise 7€, nur etwa 1€ zahlen musste. 

 


Nach drei Wochen auf Kuba ging es dann zurück in den fiesen, europäischen Kapitalismus, der mir in der Zeit, die wir im Sozialismus verbracht haben, dann doch sehr ans Herz gewachsen ist.